Die Trennungsangst betrifft etwa 20–40 % der Haushunde. Es ist weder eine Laune noch „Rache": Es handelt sich um einen echten psychischen Leidenszustand, der Verständnis und einen schrittweisen Plan erfordert.

Wie man sie erkennt

Symptome, die nur in deiner Abwesenheit auftreten:

  • Anhaltende Lautäußerungen (Bellen, Heulen, Wimmern)
  • Zerstörungsverhalten (Türen, Sofas, Rahmen in der Nähe des Ausgangs)
  • Unsauberkeit in der Wohnung (auch bei perfekt stubenreinen Hunden)
  • Übermäßiger Speichelfluss
  • Wiederholtes Auf-und-ab-Laufen, Graben, zwanghaftes Lecken
  • Fluchtversuche

Um sicherzugehen, ist es hilfreich, den Hund mit der Handykamera oder einer Webcam zu filmen.

Die Ursachen

  • Welpen, die zu früh vermittelt wurden (vor der 8. Lebenswoche)
  • Veränderungen im Leben (Umzug, Trauerfall, neuer Job)
  • Übermäßige Bindung (Hund, der einem überallhin folgt, auch ins Bad)
  • Tierheimhunde mit einer Geschichte des Verlassenwerdens
  • Mangelnde geistige Auslastung

Der Trainingsplan: 6 Wochen

Woche 1–2: Übermäßige Bindung reduzieren

  • Keine Streicheleinheiten, wenn der Hund sie aufdringlich einfordert
  • Die ersten 5 Minuten nach der Heimkehr ignorieren
  • Den Hund in anderen Zimmern allein lassen, wenn du zu Hause bist (Tür geschlossen)
  • Das Weggehen nicht dramatisieren („tschüüüss, mein Schatz")

Woche 3–4: Das Verlassen der Wohnung mit positiven Erlebnissen verknüpfen

  1. Schuhe anziehen → Leckerli
  2. Schlüssel nehmen → Leckerli
  3. Tür öffnen → Leckerli
  4. 5 Sekunden hinausgehen und zurückkommen → Leckerli
  5. 30 Sekunden hinausgehen und zurückkommen → Leckerli
  6. Schrittweise steigern: 1 Min., 5 Min., 10 Min., 30 Min.

Woche 5–6: Routine vor dem Weggehen

  • Spaziergang oder intensives Spielen 30 Min. vor dem Weggehen
  • Mahlzeit oder gefüllter Kong beim Weggehen (positive Verknüpfung)
  • Entspannende Musik oder Fernseher laufen lassen (mildert die plötzliche Stille)
  • Pheromondiffuser (Adaptil) oder beruhigende Nahrungsergänzungsmittel (Zylkene)

Was man niemals tun sollte

  • Den Hund nach der Heimkehr für angerichtete Schäden bestrafen: Das verschlimmert die Angst
  • Ihn sofort 8–10 Stunden allein lassen: Das Schlüsselwort lautet Schritt für Schritt
  • Umziehen oder einen zweiten Hund adoptieren, „damit er Gesellschaft hat": Das funktioniert nicht

Wann professionelle Hilfe nötig ist

Wenn du nach 6–8 Wochen keine Verbesserung siehst oder sich der Hund bei Fluchtversuchen verletzt, wende dich an:

  • Veterinärverhaltensmediziner: kann für den Trainingszeitraum Anxiolytika verschreiben
  • Hundetrainer mit Spezialisierung auf Verhaltensprobleme

Trennungsangst lässt sich in 80 % der Fälle mit dem richtigen Training überwinden.

Um von Anfang an eine gute Grundlage für die Selbstständigkeit deines Welpen zu schaffen, lies den Ratgeber über die ersten 30 Tage mit einem Welpen.