Die Kastration der Katze ist einer der häufigsten Eingriffe in der Veterinärmedizin — und einer der am meisten diskutierten unter Tierhaltern. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Ist sie teuer? Verändert sie den Charakter? In diesem Leitfaden beantworten wir alle Fragen auf Grundlage der aktuellen ISFM-Richtlinien (International Society of Feline Medicine).

Sterilisation vs. Kastration: der Unterschied

  • Sterilisation (Weibchen): Entfernung der Eierstöcke und/oder der Gebärmutter (Ovarektomie oder Ovariohysterektomie)
  • Kastration (Männchen): Entfernung der Hoden

Im allgemeinen Sprachgebrauch spricht man bei beiden Geschlechtern von „Kastration".

In welchem Alter sollte man die Katze kastrieren

Die internationalen Richtlinien (ISFM, AAFP, AVMA) empfehlen die Frühkastration im Alter von etwa 4–5 Monaten. Traditionell wartete man in Italien 6–8 Monate, doch heute weiß man, dass die Frühkastration:

  • sicherer ist (weniger Fettgewebe, schnellere Erholung)
  • den ersten unerwünschten Wurf verhindert
  • das Risiko von Mammatumoren um über 90 % senkt

Die 5 echten Vorteile

Für das Weibchen

  • Eliminierung des Pyometra-Risikos (lebensbedrohliche Gebärmutterinfektion, betrifft 1 von 4 nicht kastrierten Kätzinnen)
  • Drastische Reduktion von Mammatumoren (90 %+ bei Kastration vor der ersten Läufigkeit)
  • Keine Läufigkeit mehr: nächtliches Rufen, Unruhe, Harnmarkieren

Für das Männchen

  • Weniger Ausreißen und Verkehrsunfälle (ein unkastrierter Kater kann täglich bis zu 5 km auf der Suche nach einer Katze zurücklegen)
  • Drastische Reduktion von Harnmarkieren und Revierkämpfen
  • Geringeres FIV/FeLV-Risiko: Diese Viruserkrankungen werden bei Kämpfen übertragen

Ungefähre Kosten in Italien

  • Kastration Männchen: 80–150 €
  • Kastration Weibchen: 150–280 €
  • Präanästhetische Untersuchungen (Blutbild, EKG): 50–100 €

Viele lokale Gesundheitsbehörden (ASL) bieten vergünstigte Tarife an, insbesondere für Katzen aus Kolonien. Erkundige dich bei deiner Gemeinde oder beim LNDC.

Wie man sich auf den Eingriff vorbereitet

Der Tag davor

  • Nahrungskarenz ab 22 Uhr des Vorabends
  • Wasser bis zum Morgen verfügbar
  • Präoperative Untersuchungen, sofern vom Tierarzt verlangt

Am Tag des Eingriffs

  • Transport in einer stabilen Transportbox (keine offene Tasche)
  • Vertraute Decke mit dem eigenen Geruch
  • Abgabe noch am selben Tag, wach aber benommen

Die postoperative Phase: 7 Tage Aufmerksamkeit

Erste 24 Stunden

  • Halte die Katze warm, in einem ruhigen Zimmer
  • Wasser sofort, Futter nach 3–4 Stunden (reduzierte Portion)
  • Lass sie nicht auf Möbel springen: Risiko des Aufplatzens der Nähte
  • Halskrause oder chirurgischer Body, damit sie die Wunde nicht leckt

Tage 2–7

  • Tägliche Kontrolle der Wunde: Sie muss trocken sein, ohne Eiter und ohne sich ausbreitende Rötungen
  • Eingeschränkte Aktivität: keine Sprünge, kein Freigang
  • Fadenentfernung durch den Tierarzt zwischen dem 7. und 10. Tag (sofern nicht selbstauflösend)

Wann man den Tierarzt anrufen sollte

  • Blutung aus der Wunde
  • Anhaltendes Erbrechen
  • Fressunlust über mehr als 36 Stunden
  • Fieber oder ausgeprägte Lethargie
  • Schwellung oder Ausfluss aus der Wunde

Nach der Kastration: Verändert sich die Katze?

Was sich wirklich verändert

  • Stoffwechsel: Er sinkt um 20–30 %, die Katze neigt zur Gewichtszunahme, wenn die Ernährung nicht angepasst wird
  • Ruhe: Weniger Unruhe, keine Läufigkeit oder Markierungsverhalten mehr
  • Zuneigung: Nimmt oft zu, die Katze wird häuslicher

Was sich NICHT verändert

  • Das Wesen: Eine verspielte Katze bleibt verspielt, eine scheue bleibt scheu
  • Die Intelligenz: keinerlei Auswirkung
  • Die grundlegenden Gewohnheiten (Lieblingsschlafplatz, Lieblingsfutter usw.)

Ernährung der kastrierten Katze

Nach der Kastration sinkt der Kalorienbedarf um 20–30 %. Es werden Trockenfutter oder Nassfutter speziell für kastrierte Katzen benötigt, mit:

  • Hohem Proteingehalt (≥35 % Trockensubstanz)
  • Reduziertem Fettgehalt (8–12 %)
  • L-Carnitin (fördert den Fettstoffwechsel)
  • Kontrolliertem Magnesium- und Aschegehalt (reduziert Struvit-Risiko)

Wiege die Ration ab: „Ad libitum"-Fütterung mit stets gefüllter Trockenfutterschüssel ist die Hauptursache für Übergewicht bei kastrierten Katzen. 40 % der kastrierten Katzen in Italien sind übergewichtig.

Häufig gestellte Fragen

Ist es besser, die erste Läufigkeit abzuwarten?

Nein. Im Gegenteil: Jede Läufigkeit erhöht das Risiko von Mammatumoren. Die Frühkastration wird heute von allen internationalen Richtlinien empfohlen.

Meine Katze lebt ausschließlich drinnen — muss ich sie trotzdem kastrieren?

Ja. Die gesundheitlichen Vorteile (kein Pyometra, Reduktion von Tumoren) sind unabhängig vom Freigang. Außerdem ist die Läufigkeit der Kätzin sehr belastend, auch für Tiere, die sich nie paaren.

Kann der Eingriff bei einer läufigen Katze durchgeführt werden?

Technisch ja, aber das Blutungsrisiko ist höher. Besser ist es, das Ende der Läufigkeit abzuwarten (5–7 Tage danach).

Wie alt wird eine kastrierte Katze im Durchschnitt?

Aktuelle Studien zeigen, dass kastrierte Katzen im Durchschnitt 2–3 Jahre länger leben als nicht kastrierte, vor allem dank der Reduktion von Krankheiten und Unfällen.

Wenn du deine Katze gerade kastrieren lassen hast, lies auch unsere Leitfäden zur Anpassung der Ernährung bei Senioren-Katzen und zur Gewichtskontrolle deines Vierbeiners.