Der Hund spricht nicht, aber er kommuniziert jede Sekunde: mit dem Schwanz, den Ohren, den Augen, der Körperhaltung. Seine Sprache zu lesen zu lernen ist der Schlüssel, um eine Vertrauensbeziehung aufzubauen und Konflikte zu vermeiden.
Der Schwanz: nicht nur „glücklich oder traurig"
Position
- Hoch und steif: Aufregung / Sicherheit / mögliche Herausforderung
- Waagerecht: Aufmerksamkeit, neutral
- Tief und entspannt: ruhig
- Zwischen den Beinen: Angst / Unterwerfung
Bewegung
- Schnell nach rechts: positiv (Freude)
- Schnell nach links: negativ (Stress, Angst)
- Langsam und weit ausholend: freundlich
- Nur die Schwanzspitze zittert: Anspannung, mögliche Aggression
Die Ohren
- Nach vorne: Aufmerksamkeit, Neugier
- Aufgestellt, aber entspannt: hört zu
- Angelegt an den Kopf: Angst, Unterwerfung, Ruhe
- Eines nach vorne, eines nach hinten: Unsicherheit, er wägt ab
Der Blick
- Weiche Augen, halb geschlossene Lider: entspannt, Vertrauen
- Starrer, harter Blick: Warnung, mögliche Aggression
- Blick abwenden: Stressbewältigung (Beschwichtigungssignal)
- „Whale eye" (Augenweiß sichtbar): starker Stress, Abstand halten
Das Maul
- Maul leicht geöffnet, Zunge heraus: entspannt
- Maul geschlossen und angespannt: Aufmerksamkeit / Besorgnis
- Gähnen: Stress, Beschwichtigungssignal
- Leckt sich die Lippen: Stress, Erwartung
- Zähne zeigen ohne Zittern: Warnung
- Knurren mit gebleckten Zähnen: klare Drohung
Die 9 Beschwichtigungssignale (Turid Rugaas)
Der Hund setzt sie ein, um die Spannung zu verringern in schwierigen Interaktionen:
- Blick abwenden
- Gähnen
- Nase ablecken
- Kopf wegdrehen
- (Plötzlich) am Boden schnüffeln
- Im Bogen annähern
- Sich hinsetzen / hinlegen
- Langsame Bewegung
- Blinzeln
Wenn dein Hund diese Signale im Umgang mit dir oder einem anderen Hund zeigt, sagt er „Ruhe, ich bin dein Freund".
Gesamtkörperhaltungen
Spielverbeugung
Vorderpfoten am Boden, Hinterbeine aufgestellt, hoch getragener, wedelnder Schwanz: eine eindeutige Einladung zum Spielen.
Bauch zeigen
Er legt sich auf die Seite und zeigt den Bauch: maximales Vertrauen. Aber wenn er dabei steif ist und den Blick abwendet, handelt es sich um Unterwerfung aus Angst.
Gesträubtes Fell am Nacken (Piloerektion)
Starke Aktivierung: Angst, Aufregung oder Aggression. Stets eine Situation mit hoher Anspannung.
Fehler, die man vermeiden sollte
- Den Hund umarmen: Für uns ist es Zuneigung, für sie ist es Einschränkung (schau dir Fotos an: oft zeigen sie dabei das Augenweiß)
- Ihnen in die Augen starren: In der Hundewelt ist das eine Herausforderung
- Frontal annähern: Besser seitlich, im Profil
- Hand auf den Kopf drücken: Besser unterm Kinn streicheln
Um eine auf Kommunikation basierende Beziehung aufzubauen, lies auch den Ratgeber zur positiven Erziehung.