Das seltsame Verhalten von Hauskatzen

Dachtest du, dass nur Hunde apportieren? Überraschung: Ein erheblicher Prozentsatz von Katzen macht genau das Gleiche. Du wirfst einen Ball, der Ball rollt, die Katze jagt ihn, nimmt ihn ins Maul, bringt ihn dir zurück. Warte, bis du ihn wieder wirfst. Wiederhole das Spiel 5, 10, 15 Mal.

Es scheint unmöglich, doch es ist wissenschaftlich dokumentiert. Eine Studie der Universität Sussex (2023) hat 924 Hauskatzen untersucht und festgestellt, dass ungefähr 41% ein apportierendes Verhalten mehr oder weniger vollständig zeigen.

Die Studie: Überraschende Zahlen

Die britischen Forscher fragten Katzenbesitzer, ob ihre Tiere Gegenstände zurückbrachten, nachdem sie geworfen wurden. Ergebnisse:

  • 41% der Katzen: gelegentliches Apportieren.
  • 35% der Katzen: häufiges Apportieren (mehr als 3 Mal pro Woche).
  • 5% der Katzen: "professionelles" Apportieren (auf Kommando, vollständige Sequenz).
  • 20% der Katzen: kein Apportieren, kein Interesse.

Zahlen, die selbst die Forscher überraschten. Bisher als exklusives Verhalten von Apportierhunden betrachtet, hat sich herausgestellt, dass das "Apportieren" weit verbreiteter ist, als man dachte.

Die "apportierfreudigsten" Rassen

Die Studie zeigte Unterschiede zwischen den Rassen:

Top Rassen für das Apportieren:

  1. Burmesisch: 62% häufiges Apportieren.
  2. Siamkatze: 58%.
  3. Tonkanese: 55%.
  4. Abessinier: 48%.
  5. Bengal: 45%.
  6. Maine Coon: 42%.
  7. Europäisch Hauskatze: 38%.

Weniger apportierfreudige Rassen:

  • Perser: 8%.
  • Britisch Kurzhaar: 12%.
  • Ragdoll: 15%.

Ein interessantes Muster: Die "aktiveren" und "hundähnlichen" Rassen (wie Siamkatze und Burmesisch) sind die apportierfreudigsten. Die "ruhigen" Rassen mögen das Jagdspiel nicht.

Warum tun sie das?

Die Forscher schlagen verschiedene Theorien vor:

1. Anpassung an das Jagdspiel. In der Natur bringt die Katze lebende Beutetiere zu ihren Kitten, um ihnen zu lehren. Vielleicht ist das "Apportieren" eine Form des Jagdspiels mit dem Besitzer als "Beuteempfänger".

2. Nachahmung des Hundes. Katzen, die mit Hunden leben, beobachten und imitieren einige Verhaltensweisen. Hypothese noch nicht bestätigt.

3. Zufällige positive Verstärkung. Beim ersten Mal, wenn die Katze einen Gegenstand bringt, streichelt oder belohnt der Besitzer sie. Die Katze wiederholt das Verhalten, um dieselbe Aufmerksamkeit zu erhalten.

4. Genetische Eigenschaft. Einige genetische Linien (aktive Rassen) haben eine Veranlagung zum Apportieren. Das spezifische Gen ist noch nicht identifiziert.

Wie du herausfinden kannst, ob deine Katze lernen kann

Positive Indikatoren (wahrscheinlich "apportierfreudig"):

  • Spielt gerne mit beweglichen Objekten.
  • Trägt Spielzeuge, Socken, Gegenstände im Haus herum.
  • Vocals oft, wenn sie dich sieht.
  • Sucht ständig nach Aufmerksamkeit.
  • Folgt dir durch das Haus.
  • Ist jung (unter 5 Jahren) oder eine aktive Rasse.

Negative Indikatoren (unwahrscheinlich apportierend):

  • Generelles Desinteresse am Spiel.
  • Schläft viel, ist wenig aktiv.
  • Zurückhaltend, wenig interaktiv.
  • Fortgeschrittenes Alter.
  • Ruhige Rasse.

Wie du deiner Katze das Apportieren beibringen kannst

Wenn du zur Kategorie "mögliche Apportierer" gehörst, hier ist, wie du das Verhalten fördern kannst:

Schritt 1: Finde den richtigen Gegenstand.

  • Stoffball oder Feder (kein hartes Plastik).
  • Gerollte Socke (viele Katzen lieben es).
  • Kleine Stoffmaus.
  • Größe: muss ohne Mühe ins Maul passen.

Schritt 2: Werfe reizvoll.

  • Wirf mit niedriger Bewegung, nicht auf Kopfhöhe.
  • Abstand zu Beginn: 2-3 Meter.
  • Substanz: mit Enthusiasmus werfen, laut rufen "Los!".

Schritt 3: Verstärke die Rückkehr.

  • Wenn die Katze mit dem Ball zurückkommt: streichle sie begeistert.
  • Auch wenn sie es dir nicht bringt, belohne die "Rückkehr zu dir".
  • Wenn du Snacks möchtest: kleines Leckerli ja.
  • Nie schimpfen, wenn sie nicht zurückbringt: die Katze wird ganz aufhören.

Schritt 4: Geduldige Wiederholung.

  • 5-10 Würfe pro Sitzung maximal.
  • 2-3 Sitzungen pro Woche.
  • Beende beim ersten Zeichen von Desinteresse.

Schritt 5: Verknüpfe ein Kommando.

  • Jedes Mal, wenn du wirfst, sage "Los!" oder "Bring!".
  • Mit der Zeit aktiviert nur das Kommando das Verhalten.

Die berühmten apportierenden Katzen

Einige Katzen sind in sozialen Medien berühmt geworden für ihr hervorragendes Apportieren. Virale Videos von:

  • Bengal, die Bälle bringen.
  • Maine Coons, die kleine Plüschtiere bringen.
  • Siamesen, die Wollknäuel bringen.

Die Rekordkatze: Pikachu (japanische Siamkatze auf Instagram) bringt auf Kommando 50 verschiedene Gegenstände zurück. Wirklich beeindruckend.

Was das für die Beziehung bedeutet

Eine Katze zu haben, die apportiert, bedeutet:

  • Intensivere körperliche Bewegung als gewöhnlich (laufen, springen).
  • Aktive Interaktion mit dem Besitzer.
  • Wichtige mentale Stimulation.
  • Reduziert Langeweile.

Für Wohnungskatzen ist das Apportieren eine wertvolle Gelegenheit zu engagierendem Spiel. Nutze es, wenn deine Katze dazu neigt.

Abschließende Kuriosität

Studien haben gezeigt, dass Katzen, die regelmäßig apportieren:

  • niedrigere Cortisolwerte (Stress) haben.
  • besser schlafen in der Nacht.
  • weniger vokalisieren aus Langeweile.
  • weniger destruktive Verhaltensweisen entwickeln.

Vielleicht wissen wir noch nicht alles über Katzen. Vielleicht war die "unabhängige und distanzierte Katze", die wir als Stereotyp sehen, nur eine gelangweilte und stimulierungslose Katze.

Versuche heute, ihr etwas zuzuwerfen. Du könntest einen unerwarteten Athleten entdecken. Und eine noch tiefere Beziehung.